Müller's Esel, der bist Du ... II

     

Hunde brauchen klare Grenzen - Gesetze einer Freundschaft ~ Michael Grewe +++ Duell auf offener Straße - Wenn sich Hunde an der Leine aggressiv verhalten ~ Nadin Matthews +++ Hoffnung auf Freundschaft - Das erste Jahr des Hundes ~ Michael Grewe +++ KASTRATION und Verhalten beim Hund ~ Sophie Strodtbeck/Udo Gansloser +++ Der Hund - Abstammung, Verhalten, Mensch und Hund ~ Erik Zimen +++ Der Wolf - Verhalten, Ökologie und Mythos ~ Erik Zimen +++ Wolf Hund Mensch - Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung ~ Prof. Dr. Kurt Kotrschal +++ Wölfisch für Hundehalter - Von Alpha, Dominanz und anderen populären Irrtümern ~ Günther Bloch +++ Quo Vadis Canis ~ Dr. Dieter Fleig +++ Der Wolf im Hundepelz - Hundeerziehung aus unterschiedlichen Perspektiven ~ Günther Bloch +++ Die Pizzahunde - Faszinierende Freilandstudien an verwilderten Haushunden > Verhaltensvergleich mit Wölfen < Tipps für Hundehalter ~ Günther Bloch +++ KYNOS Atlas Hunderassen der Welt - Der umfassendste fachkundige Hundeführer in der ganzen Welt ~ Bonnie Wilcox/Chris Walkowicz +++

 

 

 "Erziehung hat mit Beziehung zu tun, nicht mit Anleitungen!

Mit Persönlichkeit anstelle starrer Vorgaben!

Mit Herz und mit Seele und mit der Freude aneinander."

M. Grewe aus: Hunde brauchen klare Grenzen - Gesetze einer Freundschaft

 

 


 

... Müller's Esel, der bist Du!

II

 

 

Wenn wir jetzt mal vergleichen, wie wir Menschen reagieren, sehen wir deutliche Unterschiede! Da kommt ein zuckersüßer Welpe ins Haus! Wir sind hingerissen, butterweich!

"Oooohh meeeiiinnn Goooooott, der ist ja sooooo süüüüß!"

 

 

Stimmt! Sie sind zum Niederknien! Selbst die härtesten Helden knicken ein und geraten in Versuchung, das Würmchen zu betüddeln!

 

 

 

Sie erobern unser Herz im Sturm und in dieser Zeit ist uns nichts so wichtig, wie das Wohlergehen dieses Wonneproppens!

 

Und das ist auch gut so!

 

Die Trennung von Mutter und Geschwistern ist ein einschneidendes Erlebnis! Plötzlich ist alles fremd! Die Umgebung, die Menschen, die fremden Hunde, denen sie auf den ersten Spaziergängen begegnen, die möglicherweise auf ihre kindliche Begeisterung, auf einen Artgenossen zu treffen, nicht unbedingt genauso begeistert reagieren! Und sie sind ganz allein! Diese Erfahrung kann man durchaus als traumatisch bezeichnen!

In dieser Zeit haben sie nur uns, um sich zu orientieren, Zuneigung, soziale Kontakte und Sicherheit zu erfahren!

 

 

Und ihnen das zu geben ist gar nicht schwer, beachtet man ein paar Grundregeln: Geduld, frühzeitiges Setzen von Grenzen, eine gerade Linie, sprich deutlich, und für den Hund verständlich, formulierte Ansagen und Konsequenz!

Bei aller Niedlichkeit dürfen wir nicht vergessen, daß sie irgendwann erwachsen sind! Wir alle haben eine bestimmte Idee von unserem Hund im Kopf. Eine Vorstellung davon, wie sich unser Leben mit ihm gestaltet und was wir von ihm erwarten, aber auch, was wir nicht möchten! Damit diese sich erfüllt, müssen wir jetzt die Grundsteine legen! Auf der vorigen Seite seht Ihr, wie Hundeeltern die Erziehung handhaben! Das mag uns manchmal ziemlich grob vorkommen, aber in allererster Linie ist es fair! Unmissverständlich wird den Welpen gezeigt, was sie dürfen und was nicht! Da wird nicht "rumgeeiert" und da kommt nachher auch sicher keiner und sagt: "Das hab ich ja nicht gewußt..."!

Will man wissen, wie unendlich viel dem aber bereits vorausgegangen ist, muß man viel genauer hinschauen!

 

Machen wir es mal ein bissel wissenschaftlich, nützt ja nix :

In der sogenannten neonatalen Phase erfolgen die ersten prägeähnlichen Eindrücke naturgemäß durch die Mutter und natürlich den Menschen in ihrem sozialen Umfeld! Gleich nach der Geburt können Welpen bereits taktile und thermische Reize wahrnehmen. D. h. sie sind in der Lage, Berührungen und Temperaturunterschiede zu erkennen! Auch ihr Geruchssinn ist bereits stark ausgeprägt! In dieser Zeit ist das häufige Belecken durch das Muttertier nicht nur zur Säuberung und Anregung der Verdauung notwendig, sondern auch maßgeblich für die Entstehung und Festigung einer Bindung zueinander.

 

 

 

Dem gleichzusetzen ist frühzeitiger Handkontakt! Welpen, die früh positive Erfahrungen mit der menschlichen Hand machen, entwickeln eine ungleich ausgeprägtere Bindung zum Menschen, als Welpen, denen dies verwehrt wird!

 

 

Dieser positive soziale Kontakt schafft Vertrauen, das auch dann erhalten bleibt, wenn er durch diese Hand später Sanktionen, natürlich in angemessenem Rahmen, erfährt! Ein Welpe, der mit vielleicht 6 Wochen von der Mutter zurechtgewiesen wird, wird auch nicht vor ihrer Nase davonlaufen, denn das Maul der Mutter ist durch die ersten Lebenstage und der intensiven Pflege als liebevoll tief in ihm verankert!

Am ca. 12. - 13. Lebenstag öffnen sich die Lidspalten und die äußeren Gehörgänge! Funktionsfähig sind Augen und Ohren aber erst ab dem ca. 17. - 18. Tag. Hier beginnt die Aufnahme von optischen und akustischen Reizen! Die Welpen beginnen sich der Außenwelt zuzuwenden!

In der Übergangsphase, ab der 3. Lebenswoche, beginnt das Aufnehmen sozialer Beziehungen. Man kann erstes Pföteln, Schwanzwedeln und Spielaufforderungen erkennen! Bei Erschrecken zeigt sich sogar schon Fluchtverhalten! Die Babies machen ihre ersten "Gehversuche" außerhalb des Nestes. Die ersten Zähne brechen durch und die Welpen kosten zum ersten Mal feste Nahrung!

 

 

Die ersten Abnabelungsprozesse beginnen! Das Belecken der Mutter wird weniger! Die Verdauung der Kleinen beginnt nach und nach selbstständig, sprich ohne vorherige Massage des Bauches, zu funktionieren.

 

Der Übergang in die Sozialisierungsphase - ca. von der vollendeten 4. bis zur vollendeten 12. Woche - ist fließend! Jetzt geht die Entwicklung der Welpen mit Riesenschritten voran, vorausgesetzt man bietet ihnen die dazu notwendigen Möglichkeiten! Beginnend mit dieser Phase ist der Gesichtsinn soweit entwickelt, daß ein Fixieren von Lebewesen und Objekten möglich ist! Mit Höchstgeschwindigkeit wird der soziale Umgang mit Artgenossen und Menschen erprobt!

 

© Margrave Hills mit freundlicher Genehmigung

 

Den Höhepunkt dieser Phase bildet die 6. - 8. Woche, in dem der überwiegende Teil der Verhaltensweisen angelegt, aber noch nicht vollends ausgereift ist.

 

Soziale Deprivation in dieser Zeit, d. h. fehlende Kontakte zu allen Aspekten der Umwelt, führen zur Rückbildung bereits entwickelter Verhaltensweisen! Der Welpe wird apathisch, unsicher, ängstlich oder hyperaktiv! Es ist ein MUß, dem Welpen in dieser "heißen" Phase soziale Kontakte zu bieten, so dass er im spielerischen Umgang mit Tier

 

 

  © Margrave Hills mit freundlicher Genehmigung

 

 

Dusty, die in Ingos Welpenstunden eine aktive Rolle als Erzieherin übernimmt, spielt mit Bowie! Behutsam und sehr darauf bedacht, ihn nicht zu übervorteilen! Natürlich könnte sie ihm das Spielzeug wegnehmen, aber sie schaut bewußt darauf, daß es ein Spiel, das dem Kurzen und auch ihr Spaß macht, bleibt!

 

 

 

und Mensch

 

© Margrave Hills mit freundlicher Genehmigung

  

 

bereits vorhandene Verhaltensmuster festigen kann! Alles, was er in diesem Zeitraum als positiv erlernt, wird für alle Zeit auch so von ihm empfunden!

Im Alter von 10 bis 12 Wochen haben die Welpen das gesamte Verhaltensrepertoire ihrer Art erlernt!

 

 

 

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An dieser Stelle möchte ich eine Gedankenpause einlegen und Euch bitten, zu überlegen, wie es einem Welpen ergeht, der von dubiosen Hundehändlern, oft schon mit 5 - 6 Wochen (also zu Beginn der "heißen Phase") von seiner Mutter und seinen Geschwister getrennt, nach nicht selten stundenlanger Fahrt ohne Futter oder Wasser, in irgendwelchen Kofferräumen weggekarrt, aus diesen heraus oder auf Wochenmärkten und neuerdings ja auch wieder in fragwürdigen Zoohandlungen, verkauft wird!

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In einer optimalen Zuchtstätte haben uns die Mutterhündin, das dort vorhandene Rudel, der Züchter und dessen Familie den Weg geebnet!

Hat man sich damit nun ein bissel auseinandergesetzt, kommt rasch die Befürchtung auf: Puuhhh, ist das kompliziert ... !

Ist es gar nicht !

Wisst Ihr noch? Die Grundregeln ...

 

 

Geduld:

Wie oben bereits erwähnt, ist die Trennung von Mutter, Geschwistern, der vertrauten Umgebung und den Menschen darin, für den Welpen ein radikaler Schnitt! Abmildern kann man diese Extreme, in dem man den für sich erwählten Knuddel schon einige Male vor dem Abgabetermin ( der je nach Rasse, zwischen der 8. und 12. Lebenswoche, bei Kleinsthunden sogar erst ab der 16. Woche, liegt) besucht, sich mit ihm beschäftigt und ihm und sich selbst die Gelegenheit gibt, einander näher zu kommen!

Trotzdem wird der Knirps sehr wahrscheinlich in den ersten Nächten der Welt seinen Kummer und seine Einsamkeit lautstark mitteilen!

 

 

Wie Ihr damit umgehen wollt, müsst Ihr nach Eurem Gefühl entscheiden! Man kann den kleinen Trauerkloß die ersten Nächte durchaus mit ins Bett nehmen ( dieses Kontaktliegen ist der Bindung natürlich immens zuträglich),

 

 

dann in ein Körbchen neben dem Bett ausquartieren und ihm schließlich den eigentlich für ihn vorgesehenen Platz zuweisen! Wer einen Hund im Bett nicht mag, kann auch mit dem Körbchen neben dem Bett anfangen! Grausam ist hingegen, das gerade angekommene Baby in einem Flur oder Bad sich selbst zu überlassen! Gesteht ihm eine gewisse Eingewöhnungszeit zu, er braucht sie sicher!

Der Hund kommt nicht stubenrein zur Welt! Manche Welpen begreifen schon nach wenigen Wochen, daß das Häufchen auf dem Teppich keine Begeisterungstürme hervorruft, andere brauchen länger, manchmal gar Monate bis hin zu einem Jahr (ja, ein Jahr ... auch das kommt vor. Selten, aber es passiert ... )! Befolgt die altbewährte Regel: Nach jedem Essen, Schlafen und Spielen raus und zwischendurch am besten auch noch mal!

 

 

Klappt es draussen --> Begeisterungssturm, klappt es drinnen --->  tja, das kommt vor! Nehmt Euren Hund mit nach draussen, bis er sich gelöst hat und freut Euch! Säubert das Mallheur möglichst nicht in seinem Beisein, denn das vermittelt Normalität! Schließlich hat die Hundemama das Nest ja auch sauber gehalten!

Und bitte, BITTE(!) drückt Euren Hund nicht mit der Nase in sein Geschäft, nehmt ihn nicht am Nackenfell und schüttelt ihn oder schlagt ihn mit einer Zeitung etc.! Er versteht Eure Absicht nicht! Bringt ihm ein Abbruchkommando bei, das für alle Eventualitäten gilt: "Aus", "Stop", "Pfui" oder was auch immer den Hund in seiner wie auch immer gearteten Tätigkeit unterbricht! Das hilft auch bei unerwünschtem Vandalismus, Mord an Kleidungsstücken oder Perforation unserer Epidermis aufgrund von überschäumendem Spieltrieb (auch die Beisshemmung will gelernt sein)! "Nein" eignet sich als Abruchkommando weniger, bedenkt man, wie oft am Tag wir dieses Wort verwenden! Und wir wollen ja keinen Hund, der permanent und in allen möglichen Lebenslagen zu Salzsäule erstarrt, nur weil wir vielleicht beim Essen einen Nachschlag abgelehnt haben! 

Diese Beispiele habe ich bewußt ausgewählt, weil sie bei vielen Welpenbesitzern am häufigsten als "Problem" angeführt werden! Im Umgang mit den ganz Kleinen ist aber grundsätzlich in jeder  Situation Geduld gefragt! Sie müssen lernen dürfen! Und das können sie nur, wenn sie Euch verstehen! 

 

Die kleine Maus Kira, die niemand wollte! Herumgereicht, weil ein Welpe ja anstrengend ist, hat sie nun ihren Platz bei liebevollen und verantwortungsbewußten Menschen gefunden und entpuppt sich als lustiger, gelehriger und freundlicher Familienhund!

Ihre Besitzerin:

"Niemals würden wir sie wieder hergeben!"

 

  

BITTE UMBLÄTTERN

 

 

 


 

 

 

 

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